Ein gutes Zuhause für alle

Bundesbauministerin Klara Geywitz hat die nächste Runde in der Debatte über die Zukunft des Eigenheims eröffnet. Diesmal war der Wellenschlag zwar nicht ganz so hoch wie Anfang 2021, als Anton Hofreiter, seinerzeit Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, den Neubau von Einfamilienhäusern scharf kritisiert hat - uns steht in diesem Jahr aber auch keine Bundestagswahl ins Haus. Trotzdem zeigen die Vorschläge der Bauministerin, in welche Richtung die Ampel-Koalition wohnungspolitisch denkt.

Familie träumt von Haus
Richtig ist: Wir werden Wohnen in vielen Punkten neu denken müssen. Richtig ist aber auch: Bei allem müssen die jeweils individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten mitgedacht werden!   © pixabay
Die Kritik von Geywitz ähnelt der von Hofreiter. Im taz-Interview bezeichnete die Bauministerin es als "ökonomisch und ökologisch unsinnig", wenn jede Generation neue Einfamilienhäuser baut. Stattdessen schlägt sie einen anderen Nutzungszyklus vor, denn in den hunderttausenden Einfamilienhäusern, die seit den 1950er Jahren hierzulande gebaut worden seien, würden heute oft nur ein oder zwei Senioren wohnen. Diese Häuser könnte stattdessen die nächste Generation junger Familien erwerben und sanieren. Staatliche Anreize sollen das unterstützen. So lassen sich nach Meinung von Geywitz zwei eigentlich gegeneinander laufende Anliegen unter einen Hut bringen: Familien können sich den Traum vom eigenen Häuschen realisieren, ohne immer weiter Fläche zu "verbrauchen".

Richtig ist: Wir werden Wohnen in vielen Punkten neu denken müssen. Architekten entwickeln vor dem Hintergrund des Klimawandels, von Baustoff- und Handwerkermangel, Preisexplosionen und nötigen neuen Energiekonzepten innovative Ideen. Tiny Homes, verstärkter Einsatz natürlicher und Suche nach alternativen Baumaterialien, flexible Grundrisse, gemeinschaftliche Wohnprojekte. Richtig ist aber auch: Bei allem müssen die jeweils individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten mitgedacht werden, ein flächendeckendes Modell für alle ist dabei kaum vorstell- oder realisierbar.

Corona erinnert uns daran: Familien brauchen neben Arbeit, Schulen, Betreuungseinrichtungen und weiterer Infrastruktur individuelle Rückzugsorte, wo sie sich erholen, wo sie ankommen können. Wo sollte dies besser gelingen können als im selbst geplanten und gestalteten Zuhause.

Wer jetzt anregt, die "Älteren" könnten nach der Familienphase ihre Häuser räumen für die junge Generation, vergisst die emotionale Komponente. Eigentümer und Eigentümerinnen, die sich über Jahrzehnte ihr Haus erarbeitet und erhalten haben, dort ihre Kinder aufgezogen und den Garten angelegt haben, möchten ihr Zuhause nicht aufgeben. Mit dem Ort sind Erinnerungen verbunden, die Nachbarn sind vertraut, Kinder und Enkel kommen zum mehrtägigen Besuch und die Netzwerke vor Ort tragen im Alltag. Vielleicht soll eins der Kinder oder der Enkel das Haus einmal erben?
Trotzdem ist eine neue, kleinere Wohnung für den einen oder die andere sicher auch eine interessante Option. Allerdings nur in dem Fall, dass den Älteren attraktive und bezahlbare Wohnungen angeboten werden. Auch eine Wohngemeinschaft in einem Eigenheim mit zwei befreundeten Rentnerpaaren ist denkbar, wird aber wohl nur im Einzelfall realisiert.

Der Ansatz, junge Familien beim Erwerb von Bestandsimmobilien zu unterstützen ist richtig - das kennen wir und das muss verstärkt werden. Eine jetzt veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Bau- Stadt- und Raumforschung (BBSR) bewertet das Baukindergeld. In 2020 beispielsweise haben knapp zwei Drittel der geförderten Familien bestehendes Wohneigentum - das meist noch zu sanieren ist - gekauft. Auf kommunaler Ebene läuft vielerorts das Programm "Jung kauft Alt", das Anreize für den Kauf bestehender Häuser im ländlichen Raum gibt. Es bietet sich an, existierende Programme auszubauen und zu verknüpfen oder bewährte Ideen wiederzubeleben, anstatt immer neues aus dem Hut zu zaubern. Der Förderdschungel ist heute schon unübersichtlich und nicht immer wenig verlässlich - wie wir gerade beim Stop-and-Go in der BEG-Unterstützung erlebt haben.

Die Gründe Pro-Eigenheim sind hinlänglich bekannt von der Vermögensstreuung über die verlässliche Alterssicherung bis hin zum Sickereffekt (wer ein Haus baut/kauft, macht eine Wohnung frei). Nicht zuletzt: Wer sich ein familienfreundliches Zuhause wünscht, hat vielerorts keine andere Möglichkeit als das Eigenheim. Nicht jeder Bestand steht am Ort der Nachfrage und nicht jedes alte Haus ist erhaltenswert. Das alles sollte nicht außer Acht gelassen werden!

Manfred Jost
Manfred Jost, Präsident Verband Wohneigentum   © Lentner/FuG

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