75 Jahre für das WohneigentumFestakt zum Verbandsjubiläum

„Von der Selbsthilfe zum Verbraucherschutz“, so lässt sich die 75-jährige Geschichte des Verbands Wohneigentum, vormals Deutscher Siedlerbund, kurz zusammenfassen. Dahinter verbergen sich unzählige Einzelschicksale, Stunden ehrenamtlichen Engagements und Erfolge. In einem Festakt, am 16. Oktober 2010 im Kongresshotel Potsdam, erinnerten sich rund 300 geladene Gäste aus Politik und Wohnungswirtschaft sowie Verbands-delegierte der Historie und blickten auf die zukünftigen Aufgaben des Verbands.

Vom Pioniergeist der Kleinsiedler nach dem Ersten Weltkrieg bis zu den gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Gegenwart – an die wechselvolle Verbandsgeschichte erinnerte Hans Rauch, Präsident des Verbands Wohneigentum in seiner Begrüßung. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen standen jedoch nicht nur die Entwicklung des Verbands, sondern vor allem seine Mitglieder. „Wenn wir heute unsere Aufgaben beschreiben und unsere politischen Positionen vortragen, tun wir dies in der Reflexion unserer Verbandsgeschichte. Aber ebenso tun wir dies mit Bedacht auf die Zukunft, nicht nur des Verbands, sondern der Menschen, die jetzt und auch künftig im eigenen Haus wohnen wollen.“

Siegfried Berger, Vorsitzender des gastgebenden Verbands Wohneigentum Landesverband Brandenburg und Präsidiumsmitglied im Bundesverband, erinnerte an die Kernkompetenzen des Verbands Wohneigentum: die Unterstützung der Bürger beim Erwerb und Erhalt von Wohneigentum, die Verbraucherberatung sowie die Förderung der Familie. „Unser Einsatz ist umso wichtiger, als die Politik zwar im Wesentlichen die gleichen Ziele verfolgt, jedoch manchmal die falschen Signale setzt – ganz aktuell in Brandenburg durch die Erhöhung der Grunderwerbsteuer auf 5,5 Prozent.“

Politische Würdigung

Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, gratulierte zum Jubiläum.  
Auch Brandenburgs Politprominenz würdigte den Einsatz des Verbands für die Gesellschaft. „Als Einwerber für Verständnis in der Politik für die Probleme der Wohnungseigentümer, als Berater und Dienstleister in den Phasen des Hausbaus und der Bewirtschaftung haben sie als Verbraucherschutz-Verband Großes geleistet“, betonte Matthias Klipp, Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bauen der Landeshauptstadt Potsdam.

Dass ein Eigenheim nicht nur Vermögensbildung, sondern auch Altersvorsorge ist, betonte Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg. Vor allem das Thema „Altersgerechtes Umbauen“ bleibe ein Schwerpunkt seines Ministeriums. Da die Menschen immer älter würden, gäbe es auch andere Ansprüche an das Wohnen. „Menschen siedeln sich nur dort an, wo es eine ordentliche Infrastruktur und Arbeit gibt“, konstatierte Vogelsänger und machte damit auf die Komplexität der Schaffung von Wohneigentum aufmerksam. „Der Verband Wohneigentum ist hierbei ein wichtiger Partner. Sie unterstützen die Menschen in der Beratung und machen ihnen auch Mut, Wohneigentum zu bilden“, stellte Minister Vogelsänger fest. Er freue sich auch auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Landesverband Brandenburg. „Ich glaube, gemeinsam können wir viel schaffen – für Brandenburg, aber auch für Deutschland insgesamt.“

Das Hauptreferat hielt Ute Redder, Unterabteilungsleiterin Wohnen im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS).  

Neue Aufgaben

Verbandspräsident Hans Rauch unterstrich, dass sich der Verband Wohneigentum schon immer auf allen politischen wie gesellschaftlichen Ebenen für das selbstgenutzte Wohneigentum eingesetzt hat. Stets stelle sich der Verband den „Herausforderungen der Gegenwart“. Im Verlauf der Feierstunde stellte Rauch die und Kernforderungen des Verbands Wohneigentum vor.

Starker Partner

Das Hauptreferat hielt Ute Redder, Unterabteilungsleiterin Wohnen im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Sie übermittelte die Glückwünsche von Bundesbauminister Peter Ramsauer sowie des kurzfristig verhinderten Parlamentarischen Staatssekretärs Jan Mücke und wies auf die langjährige enge Zusammenarbeit mit dem Verband Wohneigentum hin.

Einige aktuelle Themen wie die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich und die altersgerechte Anpassung des Wohnungsbestands nahm Redder während ihres Referats stärker in den Fokus. Sie bedauerte die Einsparungen bei der staatlichen Unterstützung im Zuge des Haushaltsbegleitgesetzes 2011, vor allem die Kürzung des CO2-Programms. Die BMVBS-Vertreterin zeigte Verständnis für den Protest der Betroffenen: „Die Resonanz aus den Kommunen und Verbänden war sehr groß und wir stehen im engen Austausch mit den Parlamentariern.“

Energieeinsparung

Hinsichtlich des kürzlich von der Bundesregierung verabschiedeten Energiekonzepts beteuerte Redder, dass für Bundesbauminister Ramsauer die soziale Ausgewogenheit, Angemessenheit sowie Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen. „Es wird keine Zwangssanierungen oder Steuerstrafen für unterdurchschnittlich sanierte Gebäude geben“, bekräftigte Redder. Vielmehr setze die Bundesregierung auf wirtschaftliche Anreize, aber auch auf die Eigenverantwortung der Hauseigentümer.

Redder wies darauf hin, dass eine energetische Sanierung eine sehr umfassende Investition sei und solide geplant werden müsse. Hier lobte sie den Verband Wohneigentum, der durch seine Publikationen, insbesondere in Familienheim und Garten, immer wieder auf den Qualitätsaspekt einer Sanierung hinweise – gute Beratung im Vorfeld sei unerlässlich.

Auch der Bundeswettbewerb „Wohneigentum – heute für morgen. Energieeffizienz, Klimaschutz und bürgerschaftliches Engagement“, den der Verband Wohneigentum 2009 unter Schirmherrschaft des Bundesbauministers durchführte, spiegelt für Redder die Aufgaben der Zukunft wider. „Die Ergebnisse, die der Wettbewerb gebracht hat, waren vorbildlich für viele Siedlergemeinschaften.“ Das Bundesbauministerium sei an einer Fortführung des Wettbewerbs interessiert.

Für die Zukunft kündigte Ute Redder an, dass die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2012 auf jeden Fall kommen werde, da die EU-Gebäuderichtlinie umgesetzt werden müsse. „Hier werden wir sicher auch wieder mit dem Verband Wohneigentum im engen Dialog sein“, prophezeite Redder.

Altersgerechter Umbau

Wie Landesminister Vogelsänger unterstrich auch Ute Redder, dass aufgrund der demographischen Entwicklung hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft, in Deutschland ein erheblicher finanzieller Aufwand zur altersgerechten Anpassung des Wohnbestands notwendig werde. Hier sei die Politik gefordert, geeignete Rahmenbedingungen und Förderanreize zu schaffen. Aber auch das bürgerschaftliche Engagement, wie es der Verband Wohneigentum fördert, werde bei der Schaffung eines altersgerechten Umfelds eine große Rolle spielen. Die BMVBS-Vertreterin freute sich vor allem darüber, dass es mit Unterstützung der Verbände gelungen sei, seit Mai 2010 eine Zuschussvariante des KfW-Förderprogramms „Altersgerecht Umbauen“ anzubieten.

Verbandspräsident Rauch dankte Redder für ihre offenen Worte, die die guten Beziehungen des BMVBS mit dem Verband Wohneigentum unterstrichen. Der Verband werde sich mit den Plänen des Ministeriums, etwa im Rahmen der EnEV 2012 Auflagen zu erlassen, auseinandersetzen. Eine Entwertung der Familienheime werde man aber nicht hinnehmen. „Energetische Sanierung kann sicher den Wert eines Hauses erhalten, vielleicht sogar steigern. Aber generelle Auflagen, die nach festgelegten Voraussetzungen zwingend sind, führen dazu, dass eine Entwertung der Substanz des unsanierten Gebäudes nicht nur über den Markt, sondern über den Gesetzgeber eintritt.“ Dies käme einem Eingriff ins Eigentum gleich. „Hiergegen setzen wir uns zur Wehr“, stellte Rauch klar. Der Verband werde gerne weiterhin den Dialog mit dem Ministerium führen. Denn bei allen Überlegungen der Politik dürfe nicht nur die physikalische Größe „Haus“ im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem der Mensch. „Die Nachhaltigkeit von Eigenheimsiedlungen ist nicht nur eine Frage von Klimaschutz und Energieeinsparung, sondern ebenso eine des sozialen Miteinanders. Für beides arbeitet der Verband Wohneigentum seit nunmehr 75 Jahren“, schloss Rauch unter Applaus.

Kh