In Energieeffizienz investierenifs Städtebauinstitut sieht im selbstgenutzten Wohneigentum großes Potenzial

Rechnet sich das? – das ist die große Frage, die sich Wohneigentümer angesichts steigender Energiepreise und Dauerwerbung für energetische Sanierung stellen. Ein klares „es kommt darauf an“ ist die Antwort. Die Bundesregierung steht nach dem Reaktorunglück in Japan unter Zugzwang und kündigt einen schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft an. Gleichzeitig darf am Ziel des Klimaschutzes und der Reduzierung des CO2-Ausstoßes nicht gerüttelt werden, im Gegenteil. Regierung, Wirtschaft und Verbände bewegt daher zur Zeit nur eines: das Energie-Dilemma von „sicher, sauber und bezahlbar“.

Das 46. Königsteiner Gespräch des ifs, das am 5. und 6. Mai 2011 im Bausparhaus in Berlin stattfand, konzentrierte sich auf die Ein- und Zweifamilienhäuser – und auf die Investitionsbereitschaft sowie finanzielle Lage der Eigentümer.

Einen besonders großen Bedarf an energetischer Verbesserung gebe es bei den zwischen 1950 und 1980 errichteten Gebäuden, führte der Direktor des ifs Städtebauinstituts, Dr. Peter Runkel, bei seiner Einführung aus. Dies betreffe rund 47 Prozent der Wohnungen, nämlich aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg – anfangs mit dürftigen Materialien errichtet – bis 1978. Denn erst 1979 wurde die erste gesetzliche Auflage zu energetischen Mindestanforderungen eingeführt. Betroffen seien also rund 14,5 Millionen Häuser.

Referenten vom Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) und vom energie- & umweltzentrum allgäu (eza) zeigten mit Studien zum energetischen Zustand dieser Wohnimmobilien und anhand von Berechnungen der Wirtschaftlichkeit von Sanierungsmaßnahmen die praktische Seite auf. Was wäre notwendig? Welche Maßnahme ist die effektivste? Und was ist wirtschaftlich?

Wirtschaftlichkeit wird im Gesetz zur Einsparung von Energie in Gebäuden (§ 5 EnEG) wie folgt definiert: „Anforderungen gelten als wirtschaftlich vertretbar, wenn generell die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer durch die eintretenden Einsparungen erwirtschaftet werden können. Bei bestehenden Gebäuden ist die noch zu erwartende Nutzungsdauer zu berücksichtigen.“ Weder kann das Lebensalter der Bewohner noch das immer schnellere Veralten heute neuer Technologien in diese Berechnung eingehen. Aber für die Motivation des älteren Eigentümers und für den Informationsbedarf zu aktuellen Materialien und technischen Angeboten, um stabile Entscheidungen treffen zu können, spielt dies doch eine Rolle.

Chancen für eine grundlegende energetische Erneuerung von Einfamilienhäusern sah Runkel dabei insbesondere beim Eigentümerwechsel gegeben, wenn der neue Eigentümer das geerbte oder gekaufte Haus den Wohnbedürfnissen seiner Familie anpasse. Doch schon vorher, bei Änderung der familiären Wohnsituation durch Auszug der Kinder, nutzen manche Eigenheimer die Gelegenheit und passen die Wohnung ihren neuen Bedürfnissen an. Energetische Sanierung und Barrierereduzierung dienen zusätzlich dem Wohnwert und Wohnkomfort der Immobilie.

Die Finanzierung erfolgt, nach Erkenntnissen des Verbands Wohneigentum, meist durch Eigenmittel, wobei Vorsparen durch Bausparverträge wichtig ist. Damit ist klar, warum vor allen die 50- bis 69-jährigen Eigenheimbesitzer aktiv werden: Das Haus ist meist abbezahlt, es konnte wieder Geld gespart werden. Die Vermögenssituation, so ein Referat zu einer empirica-Studie, ist bei Hauseigentümern deutlich besser als bei Mietern; sowohl Einkommen als auch Geldvermögen lägen durchschnittlich doppelt so hoch. Allerdings sei bei der Frage, wie viel Geld für die Haussanierung zur Verfügung stehe, zu berücksichtigen, dass etwa 30 Prozent der Wohneigentümer keine nennenswerten Finanzmittel hätten.

Wolle die Regierung die Sanierungsquote steigern, betonte Institutsdirektor Runkel, sei sie gut beraten, steuerliche Erleichterungen zu prüfen. Zuschussvarianten der KfW-Förderung seien für solche Investoren interessant, die wie Rentner keine oder nur eine geringe Einkommensteuer zahlen würden. Der Verband Wohneigentum fordert eine beständige und übersichtliche Förderung der energetischen Sanierung gerade für das Ein- und Zweifamilienhaus. Außerdem zählt aus der Sicht des Verbandes die Beratung unbedingt dazu, denn jedes Haus ist individuell, so wie seine Bewohner. Welche Maßnahme bei einem Haus zu spürbarer Energieeinsparung beitragen kann und ob sie sich rentiert, kann nur durch umfassende Information unabhängiger Berater über die technischen Alternativen, aber auch über die Finanzierungsmöglichkeiten geklärt werden.

Ue