Verbraucherthema Bezahlbares Wohnen

Bauen und Wohnen ist in den letzten 15 Jahren spürbar teurer geworden. In der Öffentlichkeit wird eine durchschnittliche Mietsteigerung von bundesweit rund 35 Prozent beklagt. Die Preise für Wohneigentum übertreffen dies mit einer Kaufpreisentwicklung von über 55 Prozent für Ein- und Zweifamilienhäuser und sogar über 66 Prozent Steigerung für Eigentumswohnungen, so die Erhebungen des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Beratungsinstituts empirica in seinem Bericht vom Oktober 2019.

Aktenordner mit Spiezeughaus und Münzgeld
© Bildagentur PantherMedia/Andriy Popov

In Regionen mit hoher Nachfrage liegen die Preise über dem Durchschnitt. Ziel der Politik muss es sein, für bezahlbares Bauen und Wohnen die Rahmenbedingungen zu schaffen. Verbraucherverbände und Gewerkschaften fordern daher zielgerichtete Reformen. Unter Federführung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) haben 13 Mitgliedsverbände, einschließlich des Verbands Wohneigentum, Positionen erarbeitet und im November 2019 verabschiedet. Intensive Diskussionen erbrachten einen tragbaren Konsens in zentralen Fragen.

Hier die wesentlichen aktuellen Forderungen an die Bundesregierung aus Sicht der selbstnutzenden Wohneigentümer:

Altersgerechtes Wohnen

Um den Bedarf an altersgerechtem Wohnraum zu decken, sind das KfW-Zuschuss- und Kreditprogramm zum "Altersgerechten Umbauen" zu verstetigen und mit ausreichenden Finanzmitteln auszustatten; der Einsatz technischer Assistenzsysteme (Smart Home) sowie Hausnotruf ist zu fördern; die Landkreise sollen unabhängige Beratung und Baubegleitung einrichten, für seniorengerechte Quartiers- und Siedlungsgestaltung sind Quartiersmanager einzusetzen.

Wohnen im ländlichen Raum

Von rund 83 Millionen Menschen in Deutschland leben rund 55 Millionen in Dörfern, Klein- und Mittelstädten. Selbstgenutztes Wohneigentum ist auf dem Land verbreiteter als in Großstädten und spielt dort bei der Weiterentwicklung eine maßgebliche Rolle. Gefordert sind daher: attraktivere Förderprogramme für Erwerb und Modernisierung; gezielte Maßnahmen für Arbeit und Wohnen; bessere Daseinsvorsorge, Infrastruktur und ÖPNV; Unterstützung von Gemeinschaften bei der Organisation von sozialen Begegnungsorten und neuen Wohnformen.

Nebenkosten beim Immobilienerwerb senken

Die Nebenkosten belasten mit rund 20 Prozent der Erwerbssumme die Baufinanzierung trotz niedriger Zinsen zunehmend. Die Verbände fordern, das Bestellerprinzip für Maklerhonorar bei Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum einzuführen und die Courtage mit Deckelung effektiv zu senken; die Abschaffung von Share Deals (grunderwerbsteuerfreie Grundstücksgeschäfte professioneller Investoren) für Immobilienübertragungen; die Grunderwerbsteuer für private Erwerber von Wohneigentum zu reduzieren sowie Notar- und Gerichtsgebühren zu überprüfen.

Selbstgenutztes Wohneigentum und private Wohnraumförderung stärken

Das selbstgenutzte Wohneigentum ist die beliebteste Wohnform von Familien: Im Westen leben 74 Prozent, im Osten 64 Prozent der Paare mit Kindern in Wohneigentum. Entsprechend fordern die Verbände, Programme wie das Baukindergeld und zur Eigenkapitalstärkung verbrauchergerecht weiterzuentwickeln; das Programm "Jung kauft Alt" - auch im Sinne der Entwicklung ländlicher Räume - auszubauen und bundesweit einzurichten; KfW-Programme für Bau, Erwerb und Sanierung fortzuschreiben und durch Steuererleichterungen zu ergänzen.

Baukosten begrenzen und mehr Bauland ausweisen

Der Bauboom der vergangenen Jahre wird immer kostspieliger. Daher fordern die Verbände: Ausreichend Bauland auszuweisen; Baulandentwicklung verbrauchergerecht zu gestalten, indem Flächen kleinteilig entwickelt und veräußert werden; Konzeptvergabe zu fördern und hierbei private Bauherren und Baugruppen zu berücksichtigen; Nachverdichtung unter Beachtung des Quartierscharakters und ökologischer Aspekte sozialverträglich zu planen; Erbpacht bei Grundstücksvergabe weiterzuentwickeln, Steueranreiz für energetische Gebäudesanierungen in Wohngebäuden einzuführen, den Handwerker-Bonus auszuweiten und schließlich baugesetzliche Regelwerke zusammenzuführen und zu vereinfachen.

Das komplette Positionspapier finden Sie hier .