Mehr Klimaschutz im Quartier

Wichtige Akteure aus der Wohnungs- und Energiewirtschaft zusammenbringen und im Austausch Lösungen für mehr Klimaschutz im Gebäudebereich entwickeln - das ist Ziel einer Dialoginitiative des DV. Über das Einzelgebäude hinaus hat sie besonders das Quartier im Blick. VWE-Präsident Manfred Jost nimmt teil und vertritt die Sicht selbstnutzender Wohneigentümer.

Luftaufnahme einer typischen Siedlung
© Khalil / Verband Wohneigentum

Der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV) hat einen Runden Tisch ins Leben gerufen zum Thema "Neue Impulse beim nachhaltigen Klimaschutz im Gebäudebestand". Fachlich begleitet wird er durch das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) und unterstützt vom Bundesumweltministerium. Zum Auftakt der auf ein Jahr angelegten Veranstaltungsreihe hatte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze per Videobotschaft an die Teilnehmer gewandt.

"GROSSES POTENZIAL"

Beim Erreichen der im Klimaschutzplan festgelegten Ziele spiele der Gebäudebereich "eine ganz zentrale Rolle", so Schulze. Zum einen als Verursacher von CO2-Emissionen, zum anderen müsse die Bauweise künftig nach Klimarisiken ausgerichtet werden. "Gebäude müssen nicht nur klimaneutral, sie müssen klimafit gemacht werden", so die Bundesumweltministerin. Um die energetische Sanierung in die Fläche zu tragen, bieten Quartierlösungen ihrer Ansicht nach "eine riesige Chance. Hier schlummert ein großes Potenzial".

Das unterstrich auch Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, der deutlich machte, dass Klimaschutz auch in Corona-Zeiten eine zentrale politische Aufgabe bleibt: "Wir müssen bis 2050 treibhausgasneutral werden. Der Gebäudebestand hat dabei einen wichtigen Part. Um diese Potenziale zu heben, ist es an der Zeit, über einzelne Gebäude hinaus die Quartiere als Ganzes in den Blick zu nehmen und auf diese Weise Synergien zu schaffen."

Der Präsident des DV, der ehemalige NRW-Bau- und Verkehrsminister Michael Groschek, begrüßte, dass die Bundesregierung mit dem Klimaschutzprogramm 2030 und dem Corona-Konjunkturpaket den finanziellen Rahmen für wirkungsvollen Klimaschutz im Gebäudebestand verbessert habe: "Gerade Gebäudeeigentümer und Mieter dürfen mit dem Konflikt zwischen leistbaren Wohnkosten und Klimaschutz nicht allein gelassen werden - sonst sinkt die Akzeptanz für energetische Modernisierungen."

FÖRDERUNG MUSS STIMMEN

Diesen Aspekt betonte auch VWE-Präsident Manfred Jost, der die Offenheit für Quartiers- oder Siedlungslösungen grundsätzlich begrüßte. Sie könnten effiziente Lösungen durch gemeinschaftliches Handeln ermöglichen, etwa durch die gemeinsame Nutzung von Heizanlagen oder durch abgestimmte Sanierungsmaßnahmen. Das könne den einzelnen Wohneigentümer wirtschaftlich entlasten, so Jost. Er hob hervor, dass eine Energiewende in der Breite ohne die selbstnutzenden Wohneigentümer nicht gelingen könne und warb dafür, die wirtschaftliche Machbarkeit für den Einzelnen nicht aus den Augen zu verlieren. "Die individuellen finanziellen Möglichkeiten müssen berücksichtigt werden und die Förderung muss stimmen", so Jost.

WAS IST EIN QUARTIER?

Was aber ist denn nun genau das „Quartier“, das zunehmend ins Blickfeld städtebaulicher und wohnungspolitischer Initiativen rückt? Für den Kölner ist es das „Veedel“, für den Berliner oder Hamburger der „Kiez“, für uns im VWE die Siedlung. Gemeint ist das unmittelbare Wohn- und Arbeitsumfeld, das vor der eigenen Haustür beginnt und die alltägliche Lebensqualität der Menschen in einer Stadt bestimmt. Das Gebiet wird durch seine Bewohner definiert und ist im Idealfall geprägt ist durch funktionierende soziale Netze und Nachbarschaften sowie durch Angebote der Infrastruktur wie Versorgung, Kultur oder Bildung.

Quelle: DV/Ah