Weniger Familien im EigenheimWohneigentumsquote sinkt erstmals

In keinem anderen EU-Land leben so wenige Haushalte in einer eigenen Immobilie wie in Deutschland. Alarmierend: Erstmals seit 1993 ist die Wohneigentumsquote hierzulande sogar rückläufig. Das ergab eine Analyse von empirica und LBS Research. VWE-Präsident Manfred Jost fordert vor diesem Hintergrund erneut, endlich wirksame politische Rahmenbedingungen für bezahlbares Bauen und Wohnen zu schaffen.

Symbol eines Hauses, das aus vielen Menschen besteht
© PantherMedia/tai

Die Wohneigentumsquote lag 2018 bei 42 %, das ist ein Prozent weniger als fünf Jahre zuvor. Auch drei Jahrzehnte nach der Wende ergeben sich bei der Entwicklung der Wohneigentumsbildung Unterschiede zwischen Ost und West. Während in der alten Bundesrepublik in den 1980er Jahren noch große Fortschritte gemacht wurden, es aber dann Ende der 90er Jahre erste spürbare Dämpfer gab, wurde der Erwerb einer eigenen Immobilie im Osten erst nach der Wende zu einer wirklichen Option. Es setzte ein kräftiger Aufholprozess ein, der nun stockt - und der Abstand zum Westen ist immer noch groß: Mit gut 36 % lag die Quote in Ostdeutschland in 2018 immer noch um einiges unter jener von knapp 45 % in Westdeutschland.

UNTERSCHIED ZWISCHEN OST UND WEST

Der Analyse liegen Zahlen der aktuellen Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes zugrunde. Die EVS wird alle fünf Jahre erhoben, rund 60.000 private Haushalte werden zu ihren Lebens-, Vermögens- und Einkommensverhältnissen befragt. Zuletzt fand die Befragung 2018 statt, ein Schwerpunkt lag dabei auf Wohnsituation und -kosten. Die Antworten auf diese Fragen hat das Forschungsinstitut empirica im Auftrag der Landesbausparkassen ausgewertet und die Analyse im Dezember 2020 veröffentlicht.

Spitzenreiter in Sachen Wohneigentum ist die Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen in Westdeutschland mit einer Quote von 58 %. Die westdeutschen Senioren von heute hatten es dank ihres Wohlstandsvorsprungs leichter als die Kriegsgeneration, zu Wohneigentum zu kommen. Und die meisten von ihnen wohnen derzeit immer noch in den Häuschen, die sie oftmals in den 1970er Jahren gebaut haben. Im Osten der Republik leben immerhin 36 % der 70- bis 79-Jährigen im Eigentum; vor 20 Jahren waren es erst 15 %.

JUNGE FAMILIEN FEHLEN

In den jüngeren Altersgruppen ist der Ost-West-Unterschied über die Jahre geschmolzen, allerdings ist vor allem die nachrückende Generation hier wie dort weniger erfolgreich bei der Wohneigentumsbildung als die Generation ihrer Eltern. In 2008 hatten 34 % der Ostdeutschen und 37 % der Westdeutschen im Alter von 30 bis 39 Jahren den Sprung ins Wohneigentum bereits geschafft, zehn Jahre später waren es noch 25 bzw. 30 % in diesem Alter.

Auch die mittlere Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen hat Schwierigkeiten bei der Wohneigentumsbildung. Zwar sind unverändert die "klassischen" Familien mit Abstand am häufigsten von allen Haushaltstypen selbstnutzende Wohneigentümer, sie wohnen aber nicht mehr ganz so häufig in den eigenen vier Wänden: Waren es 2008 in Westdeutschland fast 73 % der Familien, sind es heute noch knapp 69 %;im Osten sieht es ähnlich aus.

Diese Zahlen zeigten die dringende Notwendigkeit, junge Familien auf dem Weg in die eigenen vier Wände zu unterstützen, betont Manfred Jost, Präsident des Verbandes Wohneigentum (VWE). Welche Bedeutung die Sicherheit des eigenen Häuschens oder der eigenen Wohnung habe, werde in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie ganz besonders deutlich, erinnert der VWE-Präsident. Höchste Zeit, dass die Politik das selbstgenutzte Wohneigentum nicht nur am Rande wahrnehme, sondern die Rahmenbedingungen für bezahlbares Bauen und Wohnen schaffe. Trotz niedriger Zinsen sei durch gestiegene Grundstücks-, Bau- und Nebenkosten die Baufinanzierung oft schwierig. Jost spricht sich dafür aus, das Eigenkapital junger Familien zu stärken, unter anderem durch die Verstetigung des Baukindergelds über diese Legislaturperiode hinaus und die Reduzierung der Erwerbsnebenkosten.

LBS Research/Ah

Mehr Info:

Unter Federführung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) haben 13 Mitgliedsverbände, darunter der Verband Wohneigentum, Forderungen zum bezahlbaren Bauen und Wohnen erarbeitet.