"Renovation Wave" Renovierungswelle für Europa

Stand Juni 2021

Der Klimawandel ist eine der großen Bedrohungen unserer Zeit, und wir alle sind gefragt, unseren Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung zu leisten. Der Gebäudesektor ist dabei ein wichtiger Bestandteil der nationalen und europäischen Klimaschutz-Bemühungen.

Dämmaterial auf Dachboden
Die EU-Kommission hat sich mit der Renovierungswelle zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Sanierungsquote von Gebäuden zu verdoppeln und tiefgreifende Sanierungen zu fördern.   © panthermedia.net_gcpics
Aktuell entfallen rund 40 % des Energieverbrauchs in Europa auf den Immobiliensektor sowie 36 % der CO2-Emissionen. Schaut man nach Deutschland, beträgt der Anteil des Immobiliensektors am gesamten Energieverbrauch etwa ein Drittel, davon wiederum entfallen 64 % auf Wohngebäude (laut dena-Gebäudereport 2019).

Im Oktober 2020 hat die Europäische Kommission die sogenannte "Renovation Wave" vorgestellt: ein Strategiepapier, das wegen seiner Konsequenzen für Wohneigentümer*innen jetzt Thema in der jüngsten Beiratssitzung des Verbands Wohneigentum (VWE) war. Dr. Alexander Renner, Leiter des Referats "Energiepolitische Grundsatzfragen im Gebäudesektor" im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hielt das Impulsreferat und läutete damit eine interessante und engagierte Diskussion ein. Im FuG-Kurzinterview erläutert er zusammen mit Dr. Kai Priesack, ebenfalls BMWi, die "Renovierungswelle für Europa".

VWE: "Renovation Wave" - was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?
Die Europäische Kommission hat im Oktober 2020 eine Mitteilung für eine "Renovierungswelle für Europa" veröffentlicht. Sie verknüpft mit dieser Initiative Konjunkturimpulse für die Wirtschaft mit Klimaschutz und sozialen Aspekten im Gebäudebereich. Ziel ist es, eine "Welle" von energetischen Gebäudesanierungen auszulösen und somit zur Erreichung der Energie- und Klimaziele in der EU beizutragen.

VWE: Was sind die kurz- und langfristigen Ziele?
Die EU-Kommission hat sich mit der Renovierungswelle zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Sanierungsquote von Gebäuden zu verdoppeln und tiefgreifende Sanierungen zu fördern. Kurzfristig soll mit umfassenden, klimafreundlichen Investitionen im Gebäudebereich zudem ein Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung in Europa und zur Schaffung von Arbeitsplätzen geleistet werden.

VWE: Die Ziele sind klar formuliert, was könnte die Umsetzung gerade im Gebäudesektor erschweren?
Der Gebäudebereich steht insgesamt vor vielfältigen Herausforderungen. Die Heterogenität von Gebäuden und Eigentümerstrukturen, lange Investitionszyklen, hohe Sanierungskosten sowie die Bezahlbarkeit des Bauens und Wohnens sind wichtige Aspekte. Die Renovierungswelle sollte den gemeinsamen, strategischen EU-Rahmen stärken und die Vielfalt in den Regionen berücksichtigen.

VWE: Wie ist der Stand der Dinge bei der Umsetzung in nationales Recht?
Der Aktionsplan umfasst Maßnahmen für den Zeitraum bis 2024. Für dieses Jahr hat die EU-Kommission unter anderem die Novellen der Europäische-Energieeffizienz-Richtlinie und der Erneuerbare-Energien-Richtlinie im 2. Quartal sowie die Novelle der EU-Gebäuderichtlinie im 4. Quartal angekündigt. Die Umsetzung in nationales Recht erwarten wir erst in den Folgejahren. Interview: Katrin Ahmerkamp

"Fordern und Fördern"

Gemeinsam mit drei weiteren Verbraucherverbänden - Bauherren-Schutzbund, Haus & Grund, Verbraucherzentrale Bundesverband - hat der Verband Wohneigentum (VWE) vor der Bundestagswahl ein Positionspapier mit Vorschlägen vorgestellt, wie Verbraucher*innen beim Ziel, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, mitgenommen werden können. Zwei Kernpunkte: Verbraucher brauchen eine ausreichende finanzielle Unterstützung, damit ambitioniertere Energiestandards umgesetzt werden können. Und im Zuge der Wärmewende müssen mehr Anstrengungen zur Dekarbonisierung von Fern- und Nahwärme erfolgen und die Verbraucherrechte in diesem Bereich gestärkt werden. VWE-Präsident Manfred Jost unterstreicht: "Bei der Energiewende im Gebäudesektor haben Verbraucher eine Schlüsselrolle. Das Zusammendenken von Fordern und Fördern ist unerlässlich, um sie auf diesem Weg mitzunehmen. Auch verpflichtende Maßnahmen müssen bezuschusst werden."

Das Positionspapier finden Sie hier, am Ende der Seite zum Herunterladen.