Ein Fundament für die Zukunft
Oktober 2025
Mit einem klaren Blick nach vorn feierte der Verband Wohneigentum sein 90-jähriges Bestehen beim Bundesverbandstag 2025 in Berlin. Präsident Peter Wegner eröffnete die Veranstaltung mit dem Appell, das Jubiläum als Aufbruch zu verstehen "für ein starkes, solidarisches und zukunftsfähiges Wohneigentum in Deutschland".

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Zu der Veranstaltung hat der Verband Wohneigentum zwei Positionspapiere vorgelegt:
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Die öffentliche Veranstaltung
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Willkommen in Berlin. Foto: William Veder Eventfotografie
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Wiedersehen macht Freude ... Foto: William Veder Eventfotografie
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Festredner Sören Bartol, Parlamentarischer Staatsekretär im Bundesbauministerium und dem Verband Wohneigentum durch Beiratsarbeit über lange Zeit verbunden. Foto: William Veder Eventfotografie
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Präsident Peter Wegner. Foto: William Veder Eventfotografie
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Hinter den Kulissen: Sören Bartol (Mi.) im Gespräch mit Präsident Peter Wegner und Bundesgeschäftsführerin Verena Örenbas. Foto: William Veder Eventfotografie
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Volles Haus. Foto: William Veder Eventfotografie
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Bundesgeschäftsführerin Verena Örenbas. Foto: William Veder Eventfotografie
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Das Jubiläum als Aufbruch für ein zukunftsfähiges Wohneigentum. Foto: William Veder Eventfotografie
Blick auf das Ehrenamt
Unter dem Motto "Ohne uns läuft nichts: Zukunftsfähiges Ehrenamt" stand bei der Abendveranstaltung das Herzstück des Verbands im Mittelpunkt: die über 17.000 Ehrenamtlichen, die mit ihrem Engagement Nachbarschaften prägen und Gemeinschaft gestalten. "Eine unglaubliche Zahl", fand Moderatorin Katja Nellissen und brachte es auf den Punkt: "Heute stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt, die sonst im Hintergrund wirken."
90 Jahre Verband Wohneigentum - "das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl, das ist ein Stück gelebte Geschichte", begrüßte Präsident Peter Wegner Delegierte und Gäste aus Politik und Verbändelandschaft. Er erinnerte daran, dass der Verband in all diesen Jahren stets mehr gewesen sei als eine Interessenvertretung, "nämlich ein Ort der Begegnung und des Miteinanders". Möglich nur durch das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, "ohne sie wären unsere Siedlungen und Quartiere weniger bunt, lebendig und lebenswert."
Nach 90 Jahren ließe sich sagen, so Wegner: "Wohneigentum ist kein kurzfristiger Trend sondern ein Lebensprojekt über Generationen hinweg." Eine aktuelle Online-Befragung unter Mitgliedern untermauere das: 9 von 10 Befragten würden sich wieder für Eigentum entscheiden, 95 % sehen ihr Zuhause als Lebensanker. Wegner fasste zusammen: "Wohneigentum ist nicht nur ein Dach über dem Kopf - es stabilisiert unsere Gesellschaft und ist ein Fundament für die Zukunft."
Arbeit mit Leidenschaft und Sachverstand
Als Festredner würdigte Sören Bartol, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, eine Verbandsarbeit mit "Leidenschaft, Sachverstand und Herz". Er überbrachte die Glückwünsche von Ministerin Verena Hubertz und spannte den Bogen von den Anfängen der Siedlerbewegung bis zum modernen Beratungs- und Verbraucherschutzverband. Die Grundhaltung von damals - "teilen, mitanpacken, Verantwortung übernehmen" - sei Vorbild und Sinnbild für das, was auch heute gebraucht werde.
Das Ehrenamt nannte Bartol "gelebte Verantwortung für das Miteinander im Quartier". Wertschätzung, Entlastung und Mitmach-Anreize seien entscheidend, damit aus einer Siedlung eine Gemeinschaft werde. Um das zu unterstützen, wolle die Bundesregierung die Mittel für die Städtebauförderung aufstocken. Im Bereich Wohneigentum setze die Bundesregierung auf Programme wie "Wohneigentum für Familien" und "Jung kauft Alt", um Eigentumserwerb und Klimaschutz zu verbinden. Weitere Ziele seien eine Vereinfachung der Förderlandschaft, schnellere Bauverfahren und eine sozialverträgliche Wärmewende.
Bartol hob zudem den Bundeswettbewerb heraus, den das Bundesbauministerium seit vielen Jahren begleitet. Aus der Zusammenarbeit seien wertvolle Impulse entstanden. Mit wechselnden Schwerpunkten zeige der Wettbewerb immer wieder vorbildliches Engagement. Er resümierte. "Wenn wir Wissen teilen, Lasten fair verteilen und Chancen, nutzen, bleibt Wohneigentum bezahlbar, Nachbarschaft lebendig und unser Land zukunftsfest."
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Wie wird Ehrenamt zukunftsfähig?
Seit 90 Jahren ist das Ehrenamt das Rückgrat des Verbands Wohneigentum. Was braucht es, dass Menschen auch morgen noch gerne ehrenamtlich tätig sind? Welche Wege führen zu einer stärkeren Wertschätzung und attraktiveren Strukturen? Wie kann das Ehrenamt auch künftig in den Alltag einer modernen Gesellschaft integriert werden?
Zu diesem Thema diskutierte ein Fachpodium kenntnis- und erfahrungsreich und beleuchtete das Ehrenamt aus verschiedenen Perspektiven. Unter der Überschrift "Ohne uns läuft nichts: Zukunftsfähiges Ehrenamt" debattierten Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverband Deutschland (SoVD), Dr. Serge Embacher vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagament (BBE), Tina Winklmann MdB, Bündnis90/DieGrünen und Mitglied im Ausschuss Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestags, Anna Erhard von der Universität Bamberg sowie Peter Wegner.
Das Fachpanel
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Michaela Engelmeier, Vorsitzende Sozialverband Deutschland. Foto: William Veder Eventfotografie
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Uta Winklmann MdB. Foto: William Veder Eventfotografie
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Dr. Serge Embacher vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement. Foto: William Veder Eventfotografie
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Peter Wegner, Präsident Verband Wohneigentum. Foto: William Veder Eventfotografie
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Anna Erhard von der Universität Bamberg. Foto: William Veder Eventfotografie
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Moderatorin Katja Nellissen. Foto: William Veder Eventfotografie
Michaela Engelmeier formulierte ganz klar ihre Erfahrung aus dem SoVD: "Unser Verband ist ohne Ehrenamt nicht denkbar". Sie wies auf die Schwierigkeit hin, neue Generationen für ehrenamtliche Aufgaben zu gewinnen. Hier müssten sich Verbände und Vereine weiterentwickeln und neu aufstellen. Tina Winklmann freute sich, dass es auf politischer Ebene endlich einen eigenen Hauptausschuss gibt zum Thema Ehrenamt, denn "es trägt unsere Gesellschaft und unser Land". Anna Erhard berichtete aus ihrer Forschung an der Universität Bamberg und nannte Spaß, Freude und Gemeinwohlorientierung als vorrangige Motive fürs unentgeltliches Engagement, "diese Menschen wollen anderen helfen." Dr. Serge Embacher brachte die politische Dimension des Themas ein: "Engagementpolitik ist Demokratiepolitik". Peter Wegner betonte die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für Leben und Gemeinschaft in Nachbarschaften und Quartieren.
Als mögliche Hemmschuhe für ehrenamtliches Engagement benannte das Podium Generationenkonflikte und emotionale Befindlichkeiten, unzureichende Fördermöglichkeiten, fehlende praktische Unterstützung und ein mangelndes Raumangebot für Austausch und Vernetzung.
Fazit nach der von Moderatorin Katja Nellissen umsichtig geleiteten Diskussion:
Wichtig sind:
Bürokratieabbau
Wertschätzung - menschlich und monetär
Flexibilität von Vereinen und Verbänden in ihren Erwartungen an Ehrenamtliche - und umgekehrt
Räume zum Austausch und Vernetzen
"First Mover" - also Menschen, die mit gutem Beispiel vorangehen.
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Tolle Projekte vor Ort
Nach der Theorie ging es mittenrein in die Praxis. 5 Mitglieder aus dem Verband stellten tolle Projekte aus ihren Gemeinschaften vor.
Ehrenamtliche Projekte im Verband
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Dieter Jehle. Foto: William Veder Eventfotografie
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Naime Demirezen und Gertrud Marx. Foto: William Veder Eventfotografie
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Katharina Gapp-Schmeling. Foto: William Veder Eventfotografie
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Elsa Wainer. Foto: William Veder Eventfotografie
Dieter Jehle und seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen aus der Gemeinschaft Wolfach-Oberwolfach haben die Ärmel hochgekrempelt und in Zusammenarbeit mit dem Schwarzwaldverein den Rundwanderweg "Siedlerschleife" eingerichtet. Dabei gibt es eine kleine Siedlerschleife mit 5,5 km und eine große mit 9,3 km - vorbei am Schlössle, an der Streuobstwiese, Sonnenliegen und Vesperhütte oder am Getränkebrünnle. Das Gute sei gewesen, berichtete Jehle, dass ihnen keine Steine in den Weg gelegt wurden, "wir haben überall offene Türen gefunden". So ist ein Schmuckstück für Gemeinde und Umgebung entstanden.
Gertrud Marx und Naime Demirezen aus Offenbach-Tempelsee berichteten über das Programm "Mama lernt Deutsch". Bei Elternabenden an der Grundschule in Tempelsee war Demirezen aufgefallen, dass sich etliche Frauen ganz nach hinten setzten und sich nicht an den Gesprächen beteiligten: Sie sprachen kein Deutsch. Gemeinsam mit Gertrud Marx aus der Siedlergemeinschaft Tempelsee initiierte sie unentgeltliche Sprachkurse für migrantische Mütter und stieß auf großen Zuspruch. Das Projekt weitet sich immer weiter aus und ist inzwischen fester Bestandteil der Weiterbildungsaktivitäten in Offenbach. Marx: "Das Ehrenamt ist die kleinste Zelle der Bürgerbeteiligung. Über diesen Weg haben wir etwas erreicht, was sonst nicht geklappt hätte." Für Demirezen ist neben den Sprachkenntnissen als Grundlage für ein gutes Miteinander auch etwas anderes wichtig: "Die Frauen gewinnen Mut, ihre Anliegen vorzutragen."
Elsa Wainer, stellvertretende Vorsitzendes des Landesverbands Saarland, stellte einen simplen, aber sinnvollen Servivce vor, den alle Gemeinschaften im Saarland anbieten: das Teilen von Geräten. "Es muss ja nicht jeder alles zuhause stehen haben", ist ihre Meinung. Für einen kleinen Obulus pro Wochenende kann von der Rüttelplatte über den Häcksler bis zum Vertikutierer alles ausgeliehen werden. Falls ein Gerät nicht zur Verfügung steht, tauschen sich die Gemeinschaften auch untereinander aus. Wie funktioniert das Ganze? Die Vorstände bestimmen jeweils einen Gerätewart, der aus seiner beruflichen Erfahrung auch das Know-how zur Wartung mitbringt. Wartung und Verleih erfolgen jeweils ehrenamtlich.
Das Projekt WeKaSi präsentierte Katharina Gapp-Schmeling, Initiatorin und Professorin an der Deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften (DHAW) in Potsdam. WeKaSi steht für Weiterbildung zur Klimaanpassung in Siedlungsgemeinschaften und ist ein bundesweit für die Mitglieder des Verbands Wohneigentum aufgelegtes Projekt, das Ende Juni 2025 ausgelaufen ist. Ziel des vom Bundesumweltministerium geförderten Programms des Landesverbands Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit der Victoria Hochschule ist die Vermittlung praxisnahen Wissens zur Klimaanpassung in Wohnsiedlungen. Dazu wurden Multiplikatoren aus den Gemeinschaften geschult. Das Besondere ist also: Nicht externe Expert*innen bringen das Know-how zu Klimaanpassung und Klimaschutz in die Nachbarschaften, sondern Menschen aus den eigenen Reihen. Aktuell wird überlegt, die Inhalte kostenlos in Form von E-Learnings anzubieten, die sich Interessenten selbst erarbeiten können.
Viele Ideen, viel Arbeit. Die abschließende Frage von Moderatorin Katja Nellissen zielte auf letzteres ab: Warum nimmt man das alles auf sich? Eine Antwort darauf: Ehrenamtliche Arbeit ist eine Möglichkeit, sich als Bürger*in einzubringen und Gesellschaft zu gestalten.
Katrin Ahmerkamp