Baumaterialen werden knapp und teuer Mit Augenmaß und Sachverstand handeln

26.05.2021

Baumaterialen werden knapp und teuer
Die Preise für Konstruktionsholz, Dämmstoffe und Ziegel sind teils um mehr als 100 Prozent gestiegen. Ein Ende der Entwicklung ist aktuell nicht in Sicht.   © Verband Wohneigentum Heinsheim am Neckar

Lieferengpässe und Preis -
steigerungen bei Baumaterialen erreichen die deutschen Bau -
stellen und sorgen für Probleme bei Unternehmen und Bauherren.

Diese sollten die Lage ernst nehmen und die nächsten Ent -
scheidungen auf ihrer Baustelle mit Augenmaß treffen, rät der Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB), Kooperationspartner des Verbands Wohneigentum e.V. (VWE).

Drohender Bauverzug

Seit einigen Monaten haben die Preise für Baumaterialien stark angezogen. Hinzu kommen Lieferengpässe im Zuge der Corona-Pandemie. Insbesondere die Preise für Konstruktionsholz, Dämmstoffe und Ziegel sind teilweise um über 100 Prozent gestiegen. Ein Ende der Entwicklung ist aktuell nicht in Sicht.

Bislang haben Bauherren bei laufenden Bauprojekten nur wenig davon gemerkt. Das könnte sich jedoch bald ändern: "Große Unternehmen können zur Zeit noch vielerorts auf Lagerbestände zurückgreifen und weiterbauen. Kleine Betriebe, die nach Bedarf bestellen, geraten jedoch immer mehr unter Druck", sagt BSB-Bauherrenberater und Vorstand Andreas May.

Für Verbraucher*innen könnte diese Situation zu unvorhersehbaren Risiken führen: "Wenn der Bauablauf gestört wird, weil ein Gewerk aufgrund von Lieferengpässen nicht weiterbauen kann, droht ein Bauverzug für das gesamte Projekt."

Aufmerksam müsse man werden, wenn Unternehmen Alternativen anbieten, um weiterbauen zu können. "Wenn eine Baufirma ein Ersatzprodukt anbietet, sollten Bauherren dringend mit einem unabhängigen Sachverständigen prüfen, ob der Ersatz geeignet ist. Bei unvorhergesehenen Wechselwirkungen drohen Spätfolgen und Schäden, die Bauherren teuer bezahlen könnten", so May. Dennoch sei im Interesse des Baufortschritts auch Kompromissbereitschaft seitens der Verbraucher*innen gefragt.

Obacht bei bestehenden Verträgen

Wenn sich die aktuelle Situation langfristig verstetigt, könnten auch die Baupreise für Bauherren steigen. 2 bis 3 Prozent Mehrkosten für den Bau eines Hauses sind durchaus möglich. Bauherren, die vor einem Vertragsabschluss stehen, sollten Angebotsfristen deshalb ernst nehmen.

Bei bestehenden Verträgen ist jedoch Obacht geboten. Darauf verweist BSB-Vertrauensanwalt und Vorstand Wendelin Monz: "Ist ein Vertrag geschlossen, sind die Preise fest vereinbart. Kostenerhöhungen unterfallen hier dem alleinigen Risiko des Bauunternehmens." Sofern Firmen dennoch versuchen, Bauherren zu Nachträgen zu drängen, sollte man dem entschieden entgegen treten und einen Fachanwalt hinzuziehen.

Wer hat Bauverzug verschuldet?

Wenn Lieferschwierigkeiten zu einem Bauverzug führen, ist es komplizierter: "Hier kommt es darauf an, ob der Verzug durch das Bauunternehmen verschuldet ist. Zunächst darf der Bauherr erwarten, dass fristgerecht fertiggestellt wird. Wird der Fertigstellungstermin überschritten, muss das Bauunternehmen darlegen, dass dies unverschuldet geschehen ist", so Monz.

Quelle: Verband Wohneigentum e.V./Bauherren-Schutzbund e.V.(BSB)